RESHARE:Sehr gut zusammengefasst. Und jetzt sage noch einer, dass der Schritt der Telekom gar nicht so schlimm ist, weil niemand 75GB im Monat an Traffic hat.
// via
+Johannes Müller Reshared text:
Kleine Diskussion mit einem Kumpel über Netzneutralität.Sein Standpunkt: Kabel BW hat mir doch am WE auch ab und zu BitTorrent gedrosselt. Was regen sich den jetzt alle so auf? Ich finde die Aufregerei eher lustig.
ich sage dazu:Du bringst 2 Dinge durcheinander die nahe beieinander liegen aber nichts miteinander zu tun haben.
Und meine Definition von Netzneutralität ist nicht lustig.
Ich arbeite bei einem ISP. Uns betrifft das gerade ganz akut.
Das alle Anbieter in den Verträgen das Recht haben die Leitung zu drosseln ist mir bekannt. Deswegen bin ich nicht zu Kabel BW gegangen, da diese am WE gerne mal BitTorrent drosseln, Eve Online dieses aber nutzt. Ebenso wie div. Patchtools (Blizzard Downloader, etc.).
Die Telekom macht aber etwas entscheidend anders.
Sie drosseln deinen Anschluss dauerhaft nach Anbietern.
Konkret drosseln sie alles außer Telekom-Inhalten, Spotify & Entertainment.
Und genau das ist der Knackpunkt.
Die Carrier bzw. Internetprovider wollen seit langem ihr Geschäftsfeld ausweiten. Sie wollen nicht nur Zugriffs-/Austauschpunkte bereitstellen.
Sie wollen zu Inhalteanbietern (vielmehr: Inhaltekontrolleuren) avancieren.
Denn mit Inhalt lässt sich immer mehr Geld verdienen als mit Daten.
Der Preis für das GB an Daten fällt immer mehr. Da die Technik immer Leistungsfähiger wird. Und der Preistrend kann technologisch betrachtet nur nach unten gehen. Und der Ausbau der Netze ist, wie von dir korrekt angemerkt, teuer.
Dieses Vorgehen hat Historie:Erst haben sich einige Firmen geweigert weiterhin kostenlose Peerings (wir leiten den Traffic eurer Kunden kostenlos durch unser Netz, ihr dafür unseren Traffic durch euer Netz) zu machen.
Sie haben also "Depeerings" gemacht, eine kleine Historie wer hier von wem versucht hat Geld zu bekommen findet sich in der englischsprachigen Wikipedia. Die haben übrigens damals
exakt die gleichen Argumente genutzt wie die Telekom heute.
"Wir nehmen aber viel mehr Traffic von euch entgegen als ihr von uns!"Siehe:
http://en.wikipedia.org/wiki/Peering#DepeeringWenn ich mich recht entsinne war das so um 2000-2005 rum.
Weiter ging es vor einigen Jahren mit solchen Ideen wie Deep Paket Inspection, wo man dann z.B. die Werbe-Bildchen in den Datenpaketen der Kunden am Router durch eigene Bildchen ersetzen wollte, welche man zuvor an andere Firmen verkauft hatte.
Die Idee war: Der Kunde ruft die Werbung von Seite A ja ab. Der Webseitenbetreiber erhält also sein Geld nach Klicks/Page Impressions o.ä. ob die Werbung tatsächlich auf dem Gerät des Endkunden angezeigt wird kann er nicht kontrollieren.
Also kann er ja nicht meckern, wenn der Kunde nicht die Originale Werbung, sondern unsere vermietete Werbung sieht.
Dagegen liefen dann alle möglich Organisationen Sturm. Zu Recht. Denn wenn sich dieses durchgesetzt hätte, hätte KEIN Webseitenbetreiber mehr durch Werbung überleben können. Weil alle nur noch Verträge mit den ISPs abgeschlossen hätten die natürlich den größten Teil des Kuchens für sich behalten hätten und nur die Krümmel an die Webseitenbetreiber ausgezahlt hätten.
Das war vor 3-4 Jahren.
Dann kam vor kurzem, gerade in Deutschland, die Diskussion um Google in die Gänge.
Das Leistungsschutzrecht (Google indexiert die Webseiten weil wir das nicht per robots.txt verboten haben! Das ist gemein, wir wollen Geld!) ist nur ein Aspekt.
In diesem Klima wollte die Telekom dann vor 1-2 Jahren das erste Mal Geld von Google. Weil Youtube ja so eine Hohe Netzlast verursachen würde.
Google hat gesagt: Nö ist nicht. So ist das Internet. Belegt eure Ansprüche mit konkreten Zahlen dann diskutieren wir weiter. (Tipp: Google kann die selber gegenchecken auf ihren Routern etc.)
Die Telekom hat es dann über die Politik versucht, ist damit aber auch gescheitert.
Jetzt im Klima vom beschlossenen Leistungsschutzrecht (was auch eine exakte Umkehrung der Geldströme bewirken sollte, ohne konkreten Anhaltspunkt) hat die Telekom ihre Taktik geändert.
Gegen Google kommen sie nicht an.
Aber gegen ihre eigenen Kunden. Und die meisten kapieren nicht was dort abgeht.
Das ist nämlich folgendes:Google lässt sich von der Telekom nicht erpressen. Zahlt kein Geld an die Telekom damit die Telekom-User Youtube ruckelfrei gucken können.
Also sagt die Telekom: Die Netzlast ist so groß, der Ausbau kostet, etc. wir müssen jetzt unsere Kunden drosseln damit wir das abfangen können.
Nach den von mir oben erwähnten max. 2% des Monats unter Volllast ist Schluss. Dann gibts nur noch kaputtes Internet was den Bedürfnissen eines durchschnittlichen Benutzer im Jahre 2013 nicht annäherend gerecht wird.
Aber die Telekom ist ja so nett und
hilft dir. Hauseigene Inhalteportale wie die Telekomportale, Entertainment und die Inhalte von Anbietern die mit der Telekom "Kooperationsverträge" haben (z.B. Spotify) sind von der "Volumenbegrenzung" ausgenommen. Sprich: Sie zahlen der Telekom damit diese nicht gedrosselt werden, weil deren Inhalte nicht in die Volumenberechnung fallen.
Das ist nichts anderes als Erpressung der Inhalteanbieter und als Hebel werden die Hauseigenen DSL-Verträge gutgläubiger Kunden genutzt.
Das ist schon eine sehr perfide, dreckige und hinterlistige Art und Weise das auszunutzen.
Und genau DAS ist der kleine Entscheidene Knackpunkt den es in dieser Diskussion herauszuarbeiten gilt.
Bisher hat und wird jeder ISP Heavy-User drosseln um anderen Kunden auch akzeptables Internet zur Verfügung stellen zu können.
Oder Kunden die massiv die Mischkalkulation kaputtmachen (Was Flatrate Angebote IMMER sind): Kündigen, zu Aufpreiszahlungen verdonnern oder einen anderen Tariff anbieten.
Der ISP wird aber
NICHT von Piratebay Geld verlangen weil Max Mustermann zuviel von denen Downloaded.
Genau
DAS ist es aber was die Telekom gerade versucht.
a) Bekommen Sie so Geld von jedem Inhalteanbieter auf diesem Planeten der zu blöd ist sich darauf anzulassen
b) Stärken Sie ganz nebenbei ihre eigene Position als Inhalteanbieter und binden die Kunden immer mehr an sich.
Denn wer wird bei der Telekom DSL-Kunde noch einen Maxdome-Vertrag abschließen (ehemals 1&1, jetzt ProSiebenSat1), wenn er da nur 4 Filme im Monat gucken kann?
Denke mal bitte darüber nach ob das dass Internet ist welches du willst.
Denn das bedeutet: ALLE Inhalteanbieter werden ihre Preise erhöhen müssen um die Zahlungen an jedem verdammten ISP auf diesem Planeten leisten zu können. Oder sie werden z.B. wie HBO in Amerika nur mit bestimmten Netzbetreibern kooperieren.
Was dann so lustige Effekte hat wie das "Game of Thrones" die am meisten illegal heruntergeladene TV-Serie weltweit ist.
Du als Kunde hast dann effektiv keine freie Wahl das DSL-Anbieters mehr.Du willst Online HBO Serien gucken? Dann musst du in .de zur Telekom gehen.
Ach.. Du willst aber auch CBS Serien sehen? Doof.. Die haben in .de nur eine Kooperation mit 1&1. Aber hey, 1&1 hat echt kompetente Techniker. Die legen die sicherlich gerne eine zweite Leitung. Und den Vertrag macht dir die Bestellhotline auch gerne fertig.
Jetzt kapiert warum ich das ganz und gar NICHT lustig finde?
Das System so wie es die ISPs schon immer gehandhabt haben ist
GUT.
Es basiert auf
Offenheit und Gleichheit.
Zum Wohle aller.Und jetzt kommt der fette Telekom-Elefant daher und meint das zertrampeln zu müssen weil die mehr Geld wollen.
Wirklich ein super Geschäftsgebarden.